Tripreport: Wien und Bratislava 25. - 28.05.26
- Martin Stahl
- vor 12 Stunden
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 56 Minuten
Seit die Lufthansa ihrem ehemaligen Ferienflieger Condor die Verträge für Zubringerflüge zu den Langstrecken der Condor gekündigt hat, baut die Condor selbst ein Netz an Zubringerflügen aus europäischen Großstädten auf und vermarktet diese Flüge auch als Städtetrips ab Frankfurt. Diese Städte werden bis zu dreimal täglich angeflogen und dazu gehört auch Wien. Zwar war ich schon einige Male in Wien, habe aber von der Stadt dabei kaum etwas gesehen und nun war es Zeit, die Stadt selbst als Tourist kennenzulernen.
25.05.26
DE 4345 Frankfurt-Wien
A321, D-ATCC
geplant: 14:30 – 15:50, tatsächlich 14:50 – 16:09
Gate B3, Sitz 35 F, Startbahn 07C, Landebahn 34
Dank des Last Minute-Spartickets reiste ich günstig mit der Bahn an. Zwei Stunden Ankunft am Flughafen vor der Abflugzeit sollten reichen, da ich nur Handgepäck hatte und auch einen Zeitslot bei der Sicherheitskontrolle reserviert hatte. Eine Stunde Verspätung konnte ich mir also erlauben. Da die Fahrt mit dem Bus zum Bahnhof inkl. Puffer zum Umsteigen mich eine halbe Stunde kosten würde, bin ich in der gleichen Zeit auch zum Bahnhof gelaufen. Der Zug kam pünktlich, holte sich im Frankfurter Hauptbahnhof zehn Minuten Verspätung, aber wir kamen problemlos am Flughafen an. Dank des Ausfalls der Skyline fiel der Abstecher zum neuen Terminal 3 aus. Der Abflugbereich B2-B9 war fest in Händen der Condor, wo einige Flüge starteten. Die Condor-Maschinen sind fast alle auf dem Vorfeld vor dem Terminal 2 abgestellt, wohin der Bus uns brachte. Mit der gelben Ringelsocke sollten wir nach Wien fliegen.

Wenn Ostwind ist und die Flugzeuge in Frankfurt auf der Bahn 07 übers Frankfurter Kreuz abheben, kann ich sie von meinem Balkon aus mit dem Fernglas beobachten, bis sie fünf Minuten später auch nördlich an Aschaffenburg vorbeifliegen. Natürlich wollte ich das auch einmal aus dem Flugzeug erleben und Aschaffenburg nach dem Start auf dieser Bahn sehen, aber bisher hatte es nie geklappt. Das Ziel, die Flugroute, Windrichtung müssen stimmen. Dazu noch die richtige Seite im Flugzeug (rechts) und es dürfen keine Wolken die Sicht behindern. Nach 15 Jahren Warten war es nun soweit – Start um 15 Uhr auf der 07 C und alles andere passte auch. Die Route führte uns an all den Orten vorbei, in denen ich Teile meines Lebens verbracht hatte: Aschaffenburg, Marktheidenfeld, Würzburg und den Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen. Erst ab Bayreuth ging es Richtung Süden und zwar über die Tschechei und den Böhmerwald.

Da die meisten Fluglinien schon ins neue Terminal 3 umgezogen sind, geht es im Terminal 2 recht ruhig zu, bevor es im Juni ganz geschlossen und kernsaniert wird. Daher nutzt derzeit auch die Lufthansa die Parkpositionen am Terminal - hier E9.

Das neu eröffnete Terminal 3. Der linke Flugsteig G ist noch nicht in Betrieb und wird noch als Abstellfläche genutzt.

Aschaffenburg – da wohne ich.

Marktheidenfeld – hier bin ich aufgewachsen.

Würzburg - Studium

Der Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen mit dem Nürnberger Flughafen (Referendariat und meine erste Stelle).

Damit war ein Drittel der Flugzeit schon vorbei und es ging über den bayrischen Wald und den Böhmerwald weiter nach Wien. Der Anflug bescherte einen guten Blick auf die Stadt. Rechts das Schloss Belvedere, links die Autobahn A23. Das grüne Viereck rechts von der Autobahn ist der Friedhof St. Marx, das langestreckte Gebäude darunter das T-Center und direkt daran mein Hotel.

Der Flughafen Wien mit seinen beiden Start- und Landebahnen. Wir mussten zur Landung einmal drumherum fliegen. Von Süden kommend setzten wir um 16.02 Uhr auf der Bahn 34 auf, erreichten die Parkposition am Terminal und mit der nächsten S-Bahn war ich unterwegs zum Hotel. Von dort ging es gleich weiter ins Stadtzentrum, um schon ein bisschen Wiener Luft zu schnuppern.

Das Herz von Wien – der Stephansdom. Der Stephansplatz rund um den Dom war bestückt mit verschiedenen Ständen und voller Menschen, fast wie auf einem Volksfest.


Der Donaukanal, ein künstlich erschaffener Seitenarm der Donau, am Schwedenplatz.

Die Jesuitenkirche in der Altstadt.

Donau City, ein moderner Stadtteil neben der Donauinsel.

Die Kirche St. Franziskus von Assissi (umgangssprachlich: Mexikokirche) am Donauufer.

Das große und teure Wiener Riesenrad am Eingang zum Prater.

Blick aus dem Riesenrad über den Prater. Diesmal war der Prater weitaus interessanter und lebendiger als bei meinem letzten Besuch im November 2005, wo am Nachmittag fast alles geschlossen hatte und ich nur mit einer miesen Geisterbahn fahren konnte. Einige Fahrgeschäfte waren an den beiden Abenden, an denen ich den Prater besuchte, gut besucht und ständig im Einsatz. An anderen war gar nichts los. Ich frage mich, wie diese Geschäfte sich halten können. Aus Nostalgiegründen lief ich nach 45 Jahren auch wieder durch ein Spiegellabyrinth.

Am nächsten Morgen war die erste Station wieder der Stephansdom, dessen Südturm bestiegen werden kann und der einen schönen Blick über Wien beschert.

Nach dem Blick auf Wien stand die nächste Stadt im Zentrum – Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Dieses Land hatte ich noch nie besucht und wollte die Gelegenheit nutzen. Ein Schiff fährt mehrmals täglich die Strecke auf der Donau entlang, doch als ich das Ticket buchen wollte, war das Schiff kaputt (laut Homepage: "gebrechlich") und fuhr nicht. Also nahm ich die Regionalbahn und war eine Stunde später in Bratislava. Dort ging es zu Fuß weiter auf die Donaubrücke des slowakischen Nationalaufstands, auf deren futuristischen Brückenpfeilern ein UFO sitzt. Das UFO ist eine Bar mit einer Aussichtsplattform darüber.
Der Blick aus dem UFO über die Donau zur Altstadt und der Burganlage, dem Wahrzeichen Bratislavas. Die Brücke und auch die Stadtautobahn quer durch die Altstadt waren Prestigeobjekte aus nationalsozialistischer Zeit.



Die Hauptkirche der Stadt – der Martinsdom

Auf der anderen Donauseite der Stadtteil Petrzalka mit den dominierenden Plattenbauten.

Die Altstadt ist schön restauriert und lädt zum Bummeln ein. Typisch für Bratislava sind verschiedene Bronzestatuen in der Altstadt. Hier Cumil, die Statue eines Kanalarbeiters.

Napoleon

Der Markplatz von Bratislava

Im Garten des Präsidentenpalais

In der Mittagshitze ging es hoch auf den Burgberg. Vor der Burg das Denkmal der Heiligen Kyrill, Method und Gorazd.

Von der Burg aus gibt es den nächsten schönen Blick über die Stadt, die Donau und nun auch die UFO-Brücke.

Drei Stunden reichten für die Altstadt, ich lief über die Brücke zurück nach Petrzalka und dort durch die Wohngebiete zurück zum Bahnhof und fuhr wieder nach Wien. Dort gab es auch noch einiges zu sehen. Aber zuerst eine Pause und ein Getränk in einem der beiden Wiener Katzencafés.

Die Hofburg - einst Winterresidenz der Habsburger, nun unter anderem Sitz des Bundespräsidenten.

Das Weltmuseum in der Hofburg.

Der Michaelerplatz auf der anderen Seite der Hofburg. Ein befreundeter Kollege und seine Frau waren zur gleichen Zeit auch in Wien und wir hatten uns für einen anderen Abend auch zum Essen verabredet. Das Treffen auf dem Michaelerplatz war mehr oder weniger zufällig und dadurch umso schöner.

Hotel und Café Sacher – dort hatte ich vor über 20 Jahren die teuerste Sachertorte meines Lebens gegessen.

Die Wiener Staatsoper

Fast gegenüber meinem Hotel war der Friedhof St. Marx aus der Biedermeierzeit, dessen Gräber wieder restauriert werden.

Interessant sind die Aufschriften auf den Grabsteinen: „Rechnungsraths-Gattin“.

„Friede seiner Asche!“ kannte ich bisher nur als Gag, analog zu „Friede seiner Seele.“ Ernstgemeint hatte ich den Spruch noch nie gehört. Bis jetzt.

Hier ist auch Mozart begraben, wobei man die genaue Stelle nicht kennt. Das Grabmal ihm zu Ehren wurde erst später errichtet, wie auch ein weiteres Mozart-Grabmal auf dem Zentralfriedhof.

Schloss Belvedere war die Sommerresidenz des Prinzen Eugen von Savoyen aus dem 18. Jahrhundert. Die Anlage besteht aus zwei barocken Palästen und der Gartenanlage zwischen ihnen.
Das obere Belvedere.

Kaskadenbrunnen mit Blick aufs obere Belvedere von der anderen Seite.

Ganz in der Nähe steht das Heldendenkmal der roten Armee, das kurz nach der Eroberung Wiens 1944 eingeweiht wurde. Stellt man sich geschickt, verbirgt der Hochstrahlbrunnen das Denkmal.

Die Karlskirche kombiniert den in Wien üblichen Barockstil mit antiken Elementen.

Anderes Stadtviertel, andere Stilrichtung – das Hundertwasserhaus. Vor rund 40 Jahren wurde diese Wohnanlage von Friedensreich Hundertwasser gebaut und kann von innen nicht besichtigt werden, da darin Leute wohnen. Aber auf dem Balkon kann man sich bei Kaffee, Eis und Kuchen erholen und dabei den Blick auf das Haus und die Umgebung genießen.


Hundertwassers Werke sind in der Nähe im Kunsthaus Wien ausgestellt und da ging ich tatsächlich mal in eine Gemäldegalerie hinein und schaute mir seine Werke – Bilder und architektonische Entwürfe – an.

Die obere Etage enthält Ausstellungen anderer Künstler und im Zentrum steht dort derzeit das Thema Samen und Saatgut. Die Werke befassen sich mit Samen aus verschiedensten Perspektiven. Besonders beeindrucken ist der Moon Tree – das kleine Bäumchen wurde aus einem Samen gezogen, der schon den Mund umkreist hat. Mit Apollo 14 hatten Samen verschiedener Bäume den Mond umrundet und später wurden daraus Bäume gezogen. Dieser Baum ist bereits aus der 2. Generation.

Nach einem Spaziergang durch das Viertel ging es mit der U-Bahn weiter zum Schloss Schönbrunn, der Sommerresidenz des Kaisergeschlechts der Habsburger. Auf dem Balkon des Schlosses konnte ich mich auch unterstellen, als es tatsächlich fünf Minuten lang regnete.

Den Schlossgarten hatte ich aber sowas von unterschätzt. Die Gloriette oben am Horizont gehört natürlich auch noch zur Anlage. Sie dient nur als Blickfang vom Schloss aus, aber man kann auch zu ihr hochgehen.

Der Neptunbrunnen auf dem Weg zur Gloriette.

Hinter dem Neptunbrunnen.

Die Gloriette

Der Blick von der Gloriette über die Parkanlage bis nach Wien.

Zum Schönbrunn-Gelände gehört auch der Tierpark.

Der Narrenturm auf dem Gelände der Universität war früher tatsächlich das Krankenhaus für psychisch kranke Patienten, seinerzeit also das Irrenhaus. Mittlerweile ist im Narrenturm eine Sammlung von anatomisch-pathologischen Präparaten untergebracht. Also eingelegte Organe, Körperteile, durchsetzt von Tumoren oder mit anderen Krankheitsbildern. Vereinzelt auch Skelette mit Missbildungen und eine ganze Reihe von Moulagen, also Nachbildungen von Körperteilen und Krankheitsbildern aus Wachs. Für die damaligen Studenten eine der wenigen Gelegenheiten, diese Krankheitsbilder auch zu sehen. Auch als Biologe gingen mir einige der Präparate unter die Haut.

Letzte Station in der Stadt: Der Naschmarkt. Dort legte sich noch ein Olivenverkäufer mit mir an, dessen „Kann es auch etwas mehr sein?“ zur vierfachen Menge an Oliven wurde als die, die ich haben wollte. Es war keine kluge Idee, die Oliven erst einzuschweißen und dann zu wiegen, denn diese große Menge nahm ich nicht an und die Mutter des Verkäufers musste schlichten.

Auf dem Weg zum Flughafen lag noch der Zentralfriedhof, eine der wahrlich größten Attraktionen von Wien. Die Toten haben dort eine schöne Aussicht auf einige der startenden Flugzeuge, und daher ist es kein Wunder, dass auch viele berühmte Persönlichkeiten dort begraben sind.
„Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Bewohner...“ (Wolfgang Ambros)

Die Ehrengrabmäler von Beethoven, Mozart und Franz Schubert.

Johann Strauss und Johannes Brahms.

Udo Jürgens

Falco

Da dieses Gab anscheinend kaum gepflegt wird, hat ein Friedhofsgärtner seine Visitenkarte (unten) hinterlassen.

Es gibt auch ganz viele schlichte und einfache Gräber.

Zwei Stunden vor Abflug fuhr ich mit der S-Bahn das letzte Stück zum Flughafen und da die Besucherterrasse derzeit geschlossen ist, fand ich einen passenden Ausguck im obersten Stockwerk des Parkhauses.
Platzhirsch ist natürlich Austrian Airlines, hier mit dem Airbus 320.

Die Wuchtbrumme ist der A380 der Emirates beim Start nach Dubai.

Als mein Condor-Airbus 320 aus Frankfurt gelandet war, war es auch Zeit für mich, durch die Sicherheitskontrolle zu gehen.

28.05.26
DE 4348 Wien- Frankfurt
A320, D-AICT
geplant: 16:55 – 18:15, tatsächlich 18:25 – 19:43
Gate C40, Sitz 25 F, Startbahn 29, Landebahn 07 R
Ich hätte noch länger im Parkhaus bleiben können, aber man weiß vorher nie, wie lange es an der Kontrolle dauert, und ich wollte kein Risiko eingehen. Das Einsteigen dauerte schon länger, weil statt des A321 der kürzere A320 den Flug übernahm und viele Passagiere daher bei der Kontrolle eine neue Bordkarte mit neuem Sitzplatz ausgedruckt bekamen. Dann saßen wir startbereit im Flieger, als aus dem Cockpit die Nachricht kam, dass der Pilot beim Rundgang um die Maschine eine Schramme entdeckt hatte. Wie eine Autoschramme. An sich keine große Sache, aber die Sicherheitsrichtlinien schreiben vor, dass in diesem Fall ein Techniker die Schramme vermessen und begutachten muss. Das zog sich hin und dauerte am Ende 90 Minuten, bis alles dokumentiert war ("Die Wiener Techniker sind nicht die schnellsten.") und wir starten durften. Um 18.30 Uhr hoben wir in westliche Richtung ab und über die Tschechei und Oberfranken ging es zurück nach Frankfurt.

Flughafen Wien

Der Zentralfriedhof

Stadtteil Simmering, wieder mit dem St. Marx-Friedhof und meinem Hotel – diesmal von der anderen Seite der Stadt gesehen.

Die grüne Zunge ist der Prater – mehr als nur der Vergnügungspark, sondern ein langgestreckter Park entlang der Donau. Weiter vorne der Hauptbahnhof.

Vom Schloss Schönbrunn bis zur Donaucity auf der Donauinsel.

Am rechten Bildrand ganz klein der Stephansdom.

Pilsen

Fulda

Wegen des Ostwinds flogen wir Frankfurt von Westen an und überquerten daher zweimal den Rhein.

Um 19.37 Uhr setzten wir auf der Südbahn (07 R) in Frankfurt auf und parkten wieder vor dem Terminal 2. Mit dem Bus ging es zurück ins Terminal 1. Für die Rückfahrt hatte ich bewusst keinen Sparpreis gebucht, da mir die Zugbindung zu heikel war. Ich fand eine Verbindung mit Regionalbahnen und zweimal Umsteigen, Abfahrt am Flughafen um 20.15 Uhr. Um 20 Uhr hatten wir mit dem Bus das Terminal 1 erreicht und da zahlt es sich mittlerweile aus, wenn man sich am Flughafen gut auskennt, da ich in der Viertelstunde online das Ticket buchte (wurde auch prompt kontrolliert) und rechtzeitig den Bahnsteig erreichte. Alle drei Bahnen waren pünktlich, und das letzte Stück in Aschaffenburg legte ich dann wieder zu Fuß zurück, statt auf den Bus zu warten.
Copyright aller Fotos: Martin Stahl
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